Notfallpraxis erhalten

Notfallpraxis erhalten

Notfallpraxis erhalten

EINLEITUNG

Was ist geplant und wieso?

Ab dem 01.01.2019 soll die Notfallpraxis in Stolberg geschlossen und dann nur noch für Kinder zur Verfügung stehen. Die Notfallpraxis in Eschweiler wird für Erwachsene zur Verfügung stehen.

Die Notfallpraxis in Stolberg ist seit vielen Jahren Anlaufstelle für Stolberger, die außerhalb der Öffnungszeiten des Hausarztes medizinische Hilfe benötigen. Im vergangenen Jahr nahmen rund 7.000 Stolberger diese Möglichkeit wahr und wurden in der Notfallpraxis versorgt.

Durch ein Schließen und die Verlegung der Notfallpraxis wird die Versorgung für ältere und nicht mobile Menschen aufgrund der größeren Entfernung erschwert. Familien mit Kindern müssten bei gleichzeitiger Erkrankung verschiedene Krankenhäuser besuchen.

Wir möchten gerne weiter über das Vorhaben aufklären und den Stolbergern Informationen zum Umzug der KV Praxis an die Hand geben.

VERÄNDERUNGEN

Was würde sich für die Stolberger verändern?

Entfernung

Künftig müssen alle erwachsenen Stolberger einen längeren Weg und damit ein späteres Erreichen bei den behandelnden KV Ärzten in Kauf nehmen.

Der Weg, zum Beispiel von Venwegen aus, verlängert sich auf insgesamt 23 Kilometer mit Bus oder Taxi.

Kosten

Eine Autofahrt ist mit einer stärkeren Erkrankung nicht nur unklug sondern auch ein Sicherheitsrisiko für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer.

Familien ohne Fahrzeug haben diese Möglichkeit sowieso nicht.

Eine alleinerziehende Mutter müsste von der Innenstadt Stolbergs bis zum Eschweiler Krankenhaus somit mindestens mit 30 Euro Taxikosten rechnen.

Der Preis für eine Fahrt von anderen Ortsteilen aus kann wesentlich höher ausfallen.

Die Taxifahrt von Venwegen würde beispielsweise rund 104 Euro für Hin- und Rückfahrt kosten.

Möglichkeit

Aufgrund der höheren Kosten kann es passieren, dass vor allem Menschen mit geringerem Einkommen aus Kostengründen auf den Arztbesuch verzichten oder dieser für sie erst gar nicht möglich ist.

Dies kann bei falschem Einschätzen der eigenen Symptome im Ernstfall sogar tödlich enden.

Beispiel: Es kam bereits vor, dass ältere Menschen bei einem Verdacht auf einen Herzinfarkt die KV Praxis aufsuchten und nicht den Notarzt riefen. Ein Warten bis zum nächsten Tag kann in diesem Fall den Tod eines Patienten bedeuten.

Versorgung

Alleine die Notfallpraxis in Stolberg wird jedes Jahr von 7000 Menschen besucht. Dabei handelt es sich natürlich nicht nur um große Notfälle aber die Last der neuen Praxis würde sich eventuell aufgrund der größeren Bevölkerungsmenge, die versorgt werden soll, verdoppeln.

Anschlussversorgung

Auch die Versorgung nach dem Arzt sollte bedacht werden. Dies kann vor allem für Menschen, die auf sich selbst angewiesen sind, enorme Kosten verursachen. Der Besuch einer Apotheke, die Notdienst hat, würde zum Beispiel weitere Fahrten erfordern und dadurch weitere Kosten verursachen, die manche Patienten vielleicht nicht tragen können.

ZAHLEN UND FAKTEN

Eine kurze Übersicht zur Notfallpraxis.

7000

Besucher pro Jahr

365

Geöffnete Tage

2135

Unterstützer Initiative

Wer der Bürgerinitiative beitreten möchte findet hier die Facebook Gruppe:

DAS SAGEN DIE STOLBERGER

Wir haben einige Stolberger um ihre Meinung zu dem Thema gefragt.

Stefan Doncks

Initiator der Bürgerinitiative “ NOTFALLPRAXIS“ für die Kupferstadt Stolberg erhalten

Mit der Umsetzung der Pläne, dass die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein die Notfallpraxis hier in Stolberg schließt, wird glaube ich am falschen Ende gespart. Es kann doch nicht sein, das die KV und somit unsere Hausärzte verlangen, dass künftig die 80 jährige Seniorin oder die die Alleinerziehende Mutter aus Venwegen , sich auf den Weg von 23 km mit dem Bus oder Taxi, in Richtung Eschweiler macht.

Die Busverbindungen sind ganz und gar nicht gut in Richtung Eschweiler oder Würselen, und schon gar nicht nach Simmerath! Zu den Abendstunden oder am Wochenende sind die Verbindungen noch schlechter. Ein Taxi von Venwegen bis zum Eschweiler Krankenhaus kostet für eine Fahrt ca. 52,00€!! Während der Wartezeit auf Bus oder Taxi kann viel mit diesem Patienten geschehen Dann geht es doch schneller, man wählt die 112 und lässt sich vom Rettungswagen ins Stolberger Krankenhaus fahren!

Die künftige Notfallpraxis heißt dann bei den Bürgern, die sich nicht anders zu helfen wissen, 112 und ob die Herrschaften von Kassenärztlicher Vereinigung und Krankenkassen dann wesentlich sparen, mag ich zu bezweifeln.

Die Hausärzte (Ärzte unseres Vertrauens) aus unserer Stadt, die diesem Vorhaben zugestimmt haben, sollten sich was schämen! An ihren Eid den sie abgelegt haben, denken Sie nicht. Den Notdienst, wie es in früheren Jahren gab, dass die Hausärzte in ihren eigenen Praxen im Wechsel Notdienst tun, könnte man ja noch akzeptieren.

Andreas Dovern

Leiter der Feuerwehr Stolberg und Bewerber um das Bürgermeisteramt

Die Schließung der Notfallpraxis am Bethlehem Gesundheitszentrum sowie das aktuelle Verhalten der Kassenärztlichen Vereinigung halte ich als Bürgermeisterkandidat der CDU für vollkommen inakzeptabel und grundlegend falsch.

Ich lehne diese Schließung vehement und kategorisch ab!

Auch in Zukunft muss für die Bürgerinnen und Bürger unserer Kupferstadt Stolberg eine adäquate ärztliche Versorgung in einer erreichbaren Notfallpraxis, also zur Behandlung von nicht-akut Patienten ausserhalb der regulären Öffnungszeiten der hausärztlichen Praxen, möglich sein!

Stolberg ist die einwohnerstärkste Kommune innerhalb des Altkreises Aachen. Zusätzlich erstreckt sich das Stadtgebiet über eine sehr große Fläche und viele Ortsteile sind schon heute ohne jegliche hausärztliche Versorgung. Eine Verlegung der Praxis bedeutet für sehr viele Bürger, eine ärztliche Versorgung im Bedarfsfall nicht mehr zeitgerecht in Anspruch nehmen zu können.

Nicht jeder ist motorisiert und hat die Möglichkeit sich in unsere Nachbarstadt zu begeben.
Eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist vielfach aufgrund mangelnder Verbindungen nicht, oder nur erschwert möglich und eine Taxifahrt oftmals finanziell nicht erschwinglich.

Die Kassenärztlichen Vereinigung hat erwiesener Maßen Ihre Zusage aus dem Jahr 2015, jegliche potentielle Veränderung transparent und öffentlich vorab zu kommunizieren und die Kommune zu beteiligen, nicht eingehalten und alle Beteiligten, nicht zuletzt die Bürgerinnen und Bürger vor vollendete Tatsachen gestellt.

Dieses Verhalten ist inakzeptabel!

Ich werde mich mit allen mir zur Verfügung stehenden Mittel für den weiteren Erhalt der Praxis einsetzen und die „Bürgerinitiative zum Erhalt der Notfallpraxis“ von Stefan Doncks sowie die fraktionsübergreifende Resolution des Rates der Kupferstadt Stolberg vollumfänglich unterstützen.

Patrick Haas

Gymnasiallehrer, SPD Fraktions- und Parteivorsitzender und Bewerber um das Bürgermeisteramt

Die Entscheidung gegen die Stolberger Notfallpraxis ist eine gegen die Stolberger Bürger; gegen diese habe ich schon 2016 gekämpft und halte sie auch dieses Mal für falsch und verheerend.

Nach intensiven Gesprächen zwischen Verwaltung, Ärztevertretern und dem Bethlehem Krankenhaus 2016 schien die dauerhafte Notfallpraxis gesichert. Noch im April 2018 sicherte die Kassenärztliche Vereinigung schriftlich zu, die erneute Neuorganisation des Notdienstes „in enger Kooperation mit den regional Verantwortlichen und Beteiligten zu gestalten“.

Stattdessen ist die Stadt Stolberg bis zuletzt im Unklaren gelassen und nunmehr vor vollendete Tatsachen gestellt worden.

Wir in Stolberg mit unseren 58.000 BürgerInnen und Bürgern verfügen über Stadtteile ohne eigene Hausärzte. Eine direkte medizinische Grundversorgung der zum Großteil nichtmotorisierten, älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ist somit nicht gegeben. Erschwerend für die hilfesuchenden Menschen ist der spärliche und zeitlich begrenzte bis nicht vorhandene Öffentliche Personennahverkehr zu Nachbarstädten, wie z.B. auch Eschweiler.

Ohne Notfallpraxis in der Stadt bleibt den hilfesuchenden Bürgerinnen und Bürgern dann nur die Möglichkeit, Hilfe unter der Ruf-Nummer 112 anzufordern, was für viele ältere Menschen allerdings mit einer großen Hemmschwelle und für Allgemeinheit mit höheren Kosten verbunden ist. Und wer wird die Verantwortung übernehmen wollen, wenn der Transport nach Eschweiler zu lange dauert oder der Notruf zu spät gewählt wird?

Wir fordern deshalb die Kassenärztliche Vereinigung auf, die angekündigte Neuausrichtung der Notfallpraxis nicht umzusetzen.

Es geht um unsere Stadt Stolberg, weshalb ich auch eine fraktionsübergreifende Resolution initiiert habe. Wir müssen zum Wohle unserer Stadt hier alle zusammenstehen, weshalb ich auch weiterhin die Bürgerinitiative „Notfallpraxis“ mit Stefan (Doncks) und alle Stolberger, die für diesen Erhalt kämpfen, unterstütze.

Außerdem müssen wir politisch dafür sorgen, dass die „Kassenärztliche Vereinigung“ eine solche, undemokratische Entscheidung gegen die BürgerInnen hier vor Ort nicht mehr fällen darf. Dafür stehe ich auch als Bürgermeisterkandidat weiterhin an Ihrer Seite.

Martina Bayer

Mitarbeiterin des Bethlehem Gesundheitszentrums und Patientin der Notfallpraxis

Die Schließung der KV-Praxis Stolberg – das sehe ich aus verschiedenen Perspektiven.

Zum einen sehe ich das aus der Sicht der Patientin. Wir alle werden mal krank. Und wir alle werden nicht jünger. So war es zum Beispiel vor einigen Wochen der Fall , dass mich eine Bronchitis mit vollem Programm ( Fieber, Schüttelfrost, Husten Kopfweh) an einem Samstagnachmittag überraschte. Sie kam echt wie angeflogen. Ich bin nicht der Mensch der für jedes kleine Wehwehchen einen Arzt aufsucht aber hier war ich froh dass es die KV-Praxis gab. Und mit Grausen dachte ich dran was wir machen wenn es die Praxis nicht mehr gibt.

Dann habe ich eine alleinerziehende Tochter. Nehmen wir jetzt mal an sie und ihr Sohn haben beide eine Krankheit bei der man den Arzt aufsuchen sollte. Dann muss sie selber nach Eschweiler in die KV-Praxis und mit dem kleinen muss sie dann nach Stolberg in die Kinder-Notarzt-Praxis oder je nachdem wie spät es ist in die Kinder-Ambulanz. Mobil ist sie nicht, und das ganze mit einem kranken Kind mit dem Bus zu machen ist sicherlich kein Vergnügen. Vom Taxi wollen wir mal gar nicht reden denn das sprengt den Etat.

Dann sehe ich das auch noch aus der Sicht einer Mitarbeiterin des Krankenhauses in dem sich ja bisher die KV-Praxis von Stolberg befand. Sehr viele ältere Menschen die diese Praxis auf gesucht haben, können sich auch bei der bescheidenen Rente die sie haben kein eigenes Auto mehr leisten. Sie kamen dann bisher nach hier in die Praxis. Einige haben auch vorher angerufen und sich erst mal mit der Praxis verbinden lassen. In den ersten Tagen ohne KV-Praxis habe ich schon ein paar Patienten am Telefon gehabt, die mir gesagt haben, nach Eschweiler würden sie nicht fahren das wäre ihnen zu weit. Für ältere Menschen kann das zum Beispiel bei einer schweren Grippe schlimme Folgen haben. Zum anderen kamen immer schon Leute nach 22 Uhr in die Ambulanz mit Beschwerden, mit denen ich erst gar nicht zum Arzt gehen würde. Aber jeder empfindet Schmerzen halt anders und darum kann man da oft auch gar keinen Vorwurf machen. Das liegt mir auch fern – bitte nicht falsch verstehen. Zum Ende des Jahres kamen oft Leute einfach zu uns ins Krankenhaus und fragten: Was macht denn hier jetzt zu? Antwort der Patientenhilfe: Die KV-Praxis. Nächste Frage: Und daneben? Antwort: Die bleiben da. Feststellung: Ja dann können wir ja demnächst dahin gehen. Aber das ist ja nicht der Sinn der Ambulanz. Patienten denen es wirklich schlecht geht warten dann natürlich um so länger. Und die Kolleginnen und Kollegen der Ambulanz, sowie die Ärzte sind manchmal schon echt am Limit.

Wie immer haben die Herren die diese Entscheidung getroffen haben wieder nicht an den kleinen Mann gedacht. In meinen Augen hat mit der Schließung der KV-Praxis ein klarer Rückschritt statt- gefunden. in Zeiten in denen doch eigentlich alles einfacher gestaltet werden soll doch eigentlich unvorstellbar. Es gibt klare Regeln wie die medizinische Versorgung nach dem Kassenärztlichen Dienst aussehen sollte. Diese Versorgung ist in meinen Augen in Stolberg nicht mehr gegeben.

Bernhard Engelhardt

Polizeibeamter, Fraktionsvorsitzender FDP Stolberg und Bewerber um das Bürgermeisteramt

In diesem Punkt sind sich die Fraktionen (auch die Bürgermeisterkandidaten) absolut einig. Von allen wurde eine Resolution unterschrieben, welche schon in der Zeitung veröffentlicht wurde.

Ich könnte hier nach dem Motto verfahren:“ Es ist zwar schon alles gesagt worden, aber noch nicht von mir!“. Dies möchte ich jedoch nicht, da es Zeitverschwendung wäre – ohne Nutzen.

Meine/unsere Stellung in Kürze:

  1. Aufhebung des Beschlusses zur Schließung der Notfallpraxis (für Erwachsene) in Stolberg.
  2. Weiterführung der Notfallpraxis im jetzigen Rahmen.

Die Chance auf eine Änderung des Beschlusses ist jedoch, nach der Aussprache im Rat, eher gering wenn man den Auftritt der Vertreter der KV erlebt hat, aber die Hoffnung werden wir noch nicht aufgeben.

Quellen:

Bildmaterial

Bethlehem Gesundheitszentrum
(c) Michael Eimler

Personenbilder
Facebook Profile (Stefan Doncks, Andreas Dovern)